Monstermädel
Desmofun Ducati Monster

Ducati Monster - the red and only one

Mein erstes "Ducati" vernahm ich aus dem Mund eines bekennenden Arschlochkindes, dem eigentlich nichts heilig war. Bis auf eben diese Motorräder…. Die Saat war gelegt.

Generell war ich dem Führerschein Klasse 1 durchaus zugetan, aber so subtil, wie es eben nur Eltern vermögen, wurde von mir geschlechtskonformes Verhalten erzwungen. Schließlich wolle ich doch erben, oder???
Das nächste "Ducati" sah und hörte ich so zentral vegetativ, dass mein Vater sein Geld behalten konnte.
Mit großen Augen und flächigem Noppenanzug schaute und hörte ich ihr hinterher. Rot….natürlich rot….weißer Rahmen und die für mich lange Zeit magische Zahl 851. In weiß und schwarz umrandet.
Den Führerschein habe ich dann vorsichtshalber heimlich gemacht und bis heute ist unklar, ob meine Eltern tatsächlich nichts gemerkt oder einfach resigniert hatten.
Mein erstes Motorrad war eine SR 500 mit inoffiziellen 34 PS. Der "Dampfhammer" war robust, verzieh mir nach meinen schrauberischen Übergriffen überzählige Kleinteile und brach mir weder Waden- noch Schienbein. Ich war zufrieden.
Die roten Landmaschinen beäugte ich zu dieser Zeit kritisch. Ich hörte geflüsterte Gerüchte von unsäglicher Unzuverlässigkeit und kostspieligen Werkstattaufenthalten. Von wahren Anhängern der Marke als Lüge angeprangert empfand ich es als irritierend. Zur SR gesellte sich eine XT 500, später musste die SR einer SRX 600 weichen. Und bis zu einem Sonntag im April 1993 war mein kleines kickzustartendes Universum einzylindrig, japanisch und umfassend in Ordnung.

Der üblich bunt gemixte Trupp sortiert sich zum Saisonauftakt. Die Sonne täuscht Wärme an, wir sind alle ein bisschen aufgedreht, keiner will vorfahren, weil keiner weiß, wo es hingehen soll. Wir wollen alle Strecken auf einmal abfahren, Kippen werden weggeschnippt, Helme aufgesetzt, Visiere geschlossen und ich bin fest entschlossen, meine geradezu lächerliche Untermotorisierung durch größtes Engagement wettzumachen. Ich hab ein bisschen Herzbubbern, ein! Kick und los geht es.
Später an der Tanke hat sich jeder wieder eingekriegt und an der Kassenschlange wartend greif ich mir die "Motorrad". Joe Bar ganz nett und dann gewinnt der ausgefranste Begriff "Die Welt versank um mich herum" Sinn.
Auf einer Doppelseite wheelte das schärfste Stück Motorrad überhaupt. Sie war schlicht anbetungswürdig…..noch eine Doppelseite….schräg von hinten aufgenommen…das Vorderrad gefällig eingeschlagen…..rot, nackt, kompakt schaut sie mir direkt ins Herz. Ich verliebe mich erst in die Linie ihres Tankes, dann in den Schriftzug "Ducati Monster". Dann überfällt mich die triebhafte Besitzesgier. Kein lady-likes "Könnte-ich-es-wohl-haben?" mit sittsam-bescheiden gesenkten Augen und einem Bitte hinterher. Ich muss sie haben. Die Erkenntnis trifft mich buchstäblich, die Nachhaltigkeit des 851-Eindrucks ist Kindergeburtstag, die niveauermäßigten Kommentare der Jungs gehen mir am A…. vorbei.

Es gab eine Monster, sie war mir bestimmt und zwei Monate später stand sie nach einer für mich ruinösen Finanztransaktion in der Garage. Ich hatte 20 Kilokracher hingelegt, würde mir bei Verstand betrachtet nie eine Tankfüllung oder etwa eine Inspektion leisten können und war glücklich.
Ducati Monster 1993 900Beseelt streichelte ich ihren Tank, schraubte den Kupplungsdeckel ab, startete sie zum ersten Mal und brach in Tränen aus. Ein Herzenswunsch war in Erfüllung gegangen.

Von der ersten Ausfahrt rede ich nur ungern! "Lass es sinnig angehen"…..und nach 200 m war klar, dass der Eimer kaputt sein muss. Etwas riss an der Kette und das ganze Geschehen hatte etwas von Rodeo. In der ersten Kurve runter nach Altenberg hab ich uns fast in die Büsche gehauen und für die zweite Kurve wählte ich aus Sicherheitsgründen den Kriechgang. Tränen kündigten sich an, die Jungs waren über alle Berge und ich bar jeglicher Illusion. Die Monster war angeblich für den ultimativen Landstraßenspaß gemacht….ich anscheinend nicht!
Das emotionale Feuerwerk, welches die Garage so hell und verheißungsvoll erleuchtet hatte war abgefackelt.

Am Altenberger Parkplatz starrten mich alle an. Klar….die Monster war taufrisch auf dem Markt und ich gab mich cool und gelangweilt.
"Was denn…? Noch nie ne Monster gesehen….?"
Leise fluchend und schweißnass vor Wut und Enttäuschung nahm ich vom geplanten Bad in der Menge Abstand und suchte mein Heil in der Flucht. Die übrigen Kilometer waren eine klare Nullrunde. Ich entging nur knapp einem Einschlag im Bauknechtladen und der Spruch "Bauknecht weiß, was Frauen wünschen" avancierte zum Schenkelklopfer schlechthin. Die Umrundung der Dhünn war entwürdigend. Alles und jeder überholte mich, Radfahrer schlossen auf und wo die Unübersichtlickeit der Strecke ein Überholen ausschloss staute ich alles. Ich fand nie den passenden Gang, die Gabel tat gar nichts und die Fuhre ruckelte und stokelte. Ich war bedient und die Blamage perfekt. Nach der Dhünn den Blinker gesetzt und nach Hause geschneckt. Konto platt, ernsthaft wegen völliger Unfähigkeit die Hobbyaufgabe erwogen und die rote Brille zertrampelt!

Später stand sie nun wieder in der Garage….die Monster….so wunderschön und rot und klein und da ging die Sonne, der wir würden entgegenfahren wieder auf. Tränen weggewischt, Nase geputzt, trotzig ein Lächeln versucht und ihr zugeflüstert, dass unsere Zeit noch kommt. Ich versprach ihr artgerechte Bewegung, Spaß satt, Vergaserkit, andere Gabelfedern, Carbon hier und da, Besserung meinerseits, Termignonis und die Rennstrecke und so geschah es dann auch!

Seither sind fast 10 Jahre und einige Kilometer ins Land gegangen. Bis auf die "richtige" Rennstrecke habe ich meine Versprechen gehalten…..aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
Wir hatten sinnbefreite Runden auf der Nordschleife, herrliche Wochen im gelobten Land, wo wir uns auf großen und kleinen Pässen schwindelig um den Verstand gefahren haben. Es gab reichlich Freude im Sauerland, in der Eifel und hier im Bergischen Land. Wir hatten "Siege" und Niederlagen" auf unseren Hausstrecken, uns trennte ein grausames Jahr Führerscheinentzug und einige Winter stand sie im kaminerwärmten Wohnzimmer, weil ihr der Widerschein des Feuers so gut steht und ich sie einfach in der Nähe haben wollte. Wir genossen den rückblickend fragwürdigen Ruf eines wilden Teams…."Die Kleine mit ihrer Monster"… und zugegeben…wir haben hart dafür gearbeitet und es genossen. Nur 2x hab ich nach einem anderen Motorrad geschaut und nie war die Monster in ernsthafter Gefahr.

Und es kribbelt immer noch, wenn ich die Garage öffne und sie anschaue. Sie macht mich immer noch an und für mich ist sie immer noch schön, trotz ihrer Jahre, Kampfspuren und wegen ihrer inzwischen offensichtlichen Antiquiertheit. Ihre immer noch originalen Spiegel passen perfekt zu ihr und ich hoffe, dass der gelbe Umlenkbügel nie Schaden nimmt. Ich bin froh, dass ich nie eine Alternative zu ihrem Tacho gefunden und einen Drehzahlmesser verbaut habe.

Was ich wohl sagen möchte: Ich will sie nicht anders haben. Ich putze sie immer noch Zeit und Raum vergessend mit kiloweise Wattestäbchen und ich bin immer noch euphorisch, wenn ich auf ihr Platz nehme und vor lauter Auspuff und Kupplung einen Hörsturz erleide und die Leute uns kopfschüttelnd hinterher schauen.
Sie hat trotz und wegen ihrer Jahre nichts ihrer Faszination eingebüßt und ich könnte sie nie hergeben.

Und ich hoffe sehr, dass wir noch lange zusammenbleiben……denn die Rennstrecke steht noch aus…… und für mich kann es nur Eine geben.
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